Freitag, 16. Mai 2014

Grenzübergang

Seit einigen Wochen bin ich in einem Familienzweig auf Ahnensuche nun nicht mehr in Schlesien, sondern in Mähren gelandet. Auch wenn es nur ein Hopser über die Grenze ist, so fühlt es sich doch noch sehr ungewohnt an, die Kirchenbücher von dort zu lesen. Eine tolle Einrichtung übrigens! Man kann sich praktisch von der Couch aus im eigenen Tempo, und so oft man möchte, durch die Bücher wühlen.
 
Der Ablauf ist im Prinzip immer gleich:
Man hat den Geburtsort und das Geburtsdatum, sowie (ganz wichtig) die Konfession eines Vorfahren und sucht nun den Geburtseintrag bei den Taufen des entsprechenden Jahres. So erhält man zumindest den kompletten Namen des Vaters und den Vornamen der Mutter. Es gab auch sehr ordentliche Pfarrer, die auch den Mädchennamen der Mutter angaben, die Hausnummer des Wohnhauses, die Großeltern, Paten und Taufzeugen, den Beruf des Vaters und vielleicht auch, um das wievielte Kind des Paares es sich handelt. Das ist Luxus.
Realität ist eher, dass man sich nun von Jahr zu Jahr nach vorn und nach hinten durch das Buch hangelt und möglichst viele Geschwister aufspürt. Dort können dann manchmal zusätzliche Informationen gefunden werden.
Wenn man Glück hat und die Eltern blieben immer im Ort wohnen, kann man so durch das Geburtsdatum des ältesten Kindes den spätest möglichen Zeitpunkt der Hochzeit ermitteln. Nun schaut man in den Kirchenbüchern der Eheschließungen nach und findet mit noch etwas mehr Glück die Hochzeit. Sie kann aber auch im Geburtsort der Braut stattgefunden haben. Durch die Herkunft der Taufpaten der Kinder bekommt man manchmal einen Hinweis auf diesen Ort. Also: Alles aufschreiben, denn man kann nie wissen, wann es einmal weiter helfen kann.
Bei dem Eintrag der Hochzeit steht meist, ob die Brautleute ledig oder schon verwitwet waren, aus welchem Ort sie sind und auch das Alter, sowie die Eltern (oder zumindest der Vater) und ob diese noch am Leben sind. Auch hier empfiehlt es sich, die Beistände bzw. Trauzeugen aufzuschreiben.
In den Büchern über die Beerdigungen muss man natürlich auch schauen, das Bild setzt sich aus der Sammlung aller verfügbaren Lebensdaten zusammen.
 
Warum ich zur Zeit öfter vor mich hin fluche:
- der Schreiber der Bücher verliert sich in sehr, SEHR kreativem Latein (1740 war das anscheinend "in"). Manchmal werden nur sehr kreativ lateinisierende Endungen angehängt und wo man das richtige Wort nicht kennt, muss eben das Deutsche herhalten.
- die Daten stimmen nicht überein, bzw. fehlen ganz.
- das Alter der Brautleute ist falsch ausgerechnet und man sucht einige Jahre im "off" nach der Geburt.
- beim Sterbeeintrag steht "das Kind des xy", nur leider hatte er so um die 14 Kinder, welches ist also gemeint? Besonders toll, wenn zu dieser Zeit z. B. wieder parallel drei Josephs mit dem gleichen Nachnamen im Ort wohnten. Joseph, Johannes, Rosalia, Rosina, Elisabeth, Anna und Maria waren der Renner unter den Vornamen. Wenn ein Kind starb, bekam das nächste manchmal den gleichen Namen wieder zugelegt. so kommt es dann zu drei Johannes in Folge, bis endlich einmal einer überlebt. Oder der Name des Vaters oder der Mutter bekam jeweils einen Rufnamen angehängt. Oder der erste Vorname war immer Maria.
- der Nachname ist ganz, ganz anders geschrieben, als es jeder andere vernünftige Mensch schreiben würde und deswegen liest man viermal darüber hinweg.
- die Schrift ist so unleserlich, dass man sich nur durch Buchstabenvergleich über mehrere Seiten hinweg von Wort zu Wort hangeln kann.
- die Einträge sind so minimalistisch, dass man sich fragt, warum er überhaupt etwas aufgeschrieben hat (es sei denn, um Familienforscher dreihundert Jahre später komplett zu verwirren. Vermutlich kippt der betreffende Kirchenbuchschreiber gerade wieder vor Lachen von seiner Wolke.)
- der Eintrag hört mittendrin auf, oder Teile davon sind ohne Angaben von Gründen gestrichen.
- der Vermerk über das neue Jahr und den Namen mit allen Titeln des Schreibers ist mit so viel Tinte großflächig und sehr schnörkelig und ausgefallen über eine ganze Seite verteilt, so dass man die Einträge auf der Rückseite kaum entziffern kann.
usw. usw.
 
Und trotzdem ... es macht riesig Spaß! :o)
 

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